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Moolaadé – Bann der Hoffnung
Moolaadé ist ein magischer Brauch in einem Dorf in Afrika, der einen unantastbaren Schutzraum bietet, ähnlich dem Asyl, ein Vakuum der Unabhängigkeit, das durch keinerlei menschliche Gewalt erschüttert werden kann.
Nach einigen eindrucksvollen Bildern, die einen lebendigen Einblick in das Leben dieses Dorfes gewähren kommen vier Mädchen zu einer jungen Frau Namens Collé Ardo gelaufen und erbitten Schutz vor den nahenden Beschneiderinnen.
Collé Ardo hat bereits vor Jahren die Beschneidung ihrer Tochter Amasatou verhindert, obwohl es sonst keine einzige Frau im ganzen Dorf gibt, die sich nicht einer Genitalverstümmelung unterzogen hätte. Unbeschnittene Frauen gelten als unrein.
Der Regisseur Ousmane Sembéne stellt gleich zu Beginn des Filmes klar die Tatsache heraus, dass Frauenbeschneidung eine furchtbare Sache ist und überlässt diese Erkenntnis nicht dem Filmende. Die Art seiner Darstellung ist jedoch weder diskriminierend noch anprangernd oder gar sensationell. Die Grausamkeit dieser Praxis ist eine Tatsache – fertig – es bedarf keiner weiteren Erklärungen.
Die Hauptperson des Films, Collé Ardo, verkörpert zusammen mit der ersten Frau ihres Mannes die Stärke der afrikanischen Frau auf sehr eindrucksvolle Weise. Gelassen, ruhig und mit einer inneren Stärke vertritt sie ihre Position und wird auch unter Einwirkung größter Schmerzen nicht schwach. Durch ihre Standhaftigkeit überzeugt sie auch die anderen Frauen des Dorfes von der Sinnlosigkeit und Grausamkeit der Beschneidung. Sie bietet den Beschneiderinnen die Stirn, auch als sie noch ohne Unterstützung ganz alleine dasteht.
Mit ihrer Haltung bringt sie die patriachale Ordnung und Hierarchie des Dorfes ins Wanken und auch ihr Ehemann vermag es nicht, sie zum Aufheben von Moolaadé zu zwingen.
Die Dorfältesten machen die neuen Medien, das Radio für den Ungehorsam der Frauen verantwortlich und versuchen vergebens durch die Vernichtung der Radios die alte Ordnung zu bewahren. Die Polyphonie ist jedoch nicht so leicht zu ersticken und die Radios „plärren“ auch in den Flammen des Scheiterhaufens weiter. Ein wahrhaft passenderes Bild gibt es nicht.
Der Islam wird vom Imam der Dorfmoschee missbraucht, um die Genitalverstümmelung zu rechtfertig. Aber Collé Ardo weiß es dank des Radios besser. Dort hat sie die Khutba eines Sheikhs gehört, und sie weiß sicher, das Frauenbeschneidung keine islamische Tradition ist.
Als Amasatous Heirat vom Vater des Bräutigams abgesagt wird gerät sie einen Moment ins Wanken und zieht eine nachträgliche Beschneidung in Betracht. Doch die Stärke ihrer Mutter gibt ihr Sicherheit und zum Schluss sagt sie selbstbewusst „Ich bin eine Unbeschnittene und ich werde es bleiben!“
Der Altmeister des afrikanischen Kinos , Ousmane Sembéne, erzählt in faszinierend lebendiger Optik ein ergreifendes und berührendes afrikanisches Drama im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Der Film begeistert auch durch die ruhige Kameraführung. Keine hektischen Aktioninszenierungen, sondern wunderschöne Bilder mit Originalton und deutschem Untertitel. Dies stört nicht, im Gegenteil, synchronisiert würde der Film viel von seiner Authentizität verlieren.
Der Film ist absolut sehenswert und startet bundesweit im Mai in vielen Kinos. Karima Körting-Mahran, HUDA Redaktion
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